Chroniken 2000/2009
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2000 - 2009
2006 - Direkter Wiederaufstieg
Trainer Uwe Neuhaus wurde mit dem ehemaligen Bundesligaprofi Olaf Janßen ein neuer Sportlicher Leiter zur Seite gestellt. Beide hatten nun die schwierige Aufgabe, in nur wenigen Wochen eine schlagkräftige Mannschaft aufzubauen, die den angestrebten sofortigen Wiederaufstieg umsetzen sollte. Aus der Abstiegsmannschaft der Vorsaison wurden lediglich die Spieler Bilgin, Ristau und Larsen gehalten. So kam es, dass im ersten Spiel bei Kickers Emden die Startelf komplett aus Neuzugängen bestand. Die Mannschaft zeigte sich allerdings sofort harmonisch und siegte glatt mit 3:0. Diese Harmonie sollte aber nicht lange Bestand haben: nach dem 0:3 beim FC St. Pauli am 16. Spieltag stand die Mannschaft mit 29 Punkten auf Platz 5 und hatte 6 Punkte Rückstand auf einen Aufstiegsplatz. Wie schon gegen Kiel und Lübeck konnte gegen einen Aufstiegsrivalen nicht gepunktet werden. Nun kochte die Fanseele, nicht weil, sondern wie verloren wurde und wie sich die Mannschaft zum Teil präsentierte, ließ die Kritik wachsen. Im nächsten Heimspiel wurde gegen HSV II zwar wieder mit 2:1 ein Dreier gelandet, jedoch brachte die nicht gerade ansprechende Spielweise einen Teil der Fans dazu ihrem Unmut abermals auf Uwe Neuhaus abzuladen. Eigentlich sollte jedem klar sein das eine Mannschaft mit 19 Neuzugängen nicht von heute auf morgen zu einem Topteam reift, jedoch war der Kredit bei den Fans durch den Abstieg der Vorsaison noch immer nahezu aufgebraucht. Der Tiefpunkt der Saison war erreicht, von nun an sollte jedoch alles besser werden. Es wurde nicht nur eine beeindruckende Serie gestartet, nein, es konnte auch endlich spielerisch und kämpferisch überzeugt werden. Spätestens nach dem 2:1 Heimsieg gegen Kiel hatte sich das Team in die Herzen der Fans gespielt und auch die Arbeit von Uwe Neuhaus fand endlich ihre Anerkennung. Essen war nach dem 22. Spieltag das erste mal Spitzenreiter und trotz kleinerer Rückschläge konnte am 37. Spieltag, vor 20.000 Fans, nach dem 0:0 zu hause gegen Werder Bremen II, zum 5. mal die Rückkehr in die 2. Bundesliga gefeiert werden. Die Aufstiegsfeier im strömenden Regen war sehr emotional und aller Schmerz des letzten Abstiegs schien vergessen. Uwe Neuhaus hatte es als erster Trainer geschafft direkt wieder aufzusteigen und das mit sage und schreibe 21 neuen Spielern.
2005 - Abstieg aus der 2. Bundesliga
Das Saisonziel war mit dem Klassenerhalt klar definiert und man hoffte mit etlichen Neuzugängen und der Euphorie des Aufstiegs die nötigen Punkte sammeln zu können. Diese Euphorie war jedoch schon nach dem ersten Spieltag und einer 1:5 Heimniederlage gegen Erzgebirge Aue nahezu verflogen. Es war nun wohl auch dem Letzten klar, wie schwierig die zu bewältigende Aufgabe werden würde. Der erste Dreier ließ bis zum 5. Spieltag mit einem 4:2-Heimsieg gegen Energie Cottbus auf sich warten, so dass man nach dem 5. Spieltag mit nur 5 Punkten im Tabellenkeller stand. Im weiteren Verlauf der Hinrunde konnte die Punktausbeute leider nicht auf das „Soll“ von 20 Punkten gesteigert werden. Trotz guter Spiele, wie z.B. die noch in der Nachspielzeit verschenkten Siege gegen Eintracht Frankfurt (4:4) und den 1.FC Köln (2:2), befand sich das Team von Trainer Jürgen Gelsdorf zur Winterpause mit 16 Punkten in akuter Abstiegsgefahr. In der Rückrunde konnten auch die in der Winterpause verpflichteten Neuzugänge nicht die gewünschte Wende einleiten. So langsam wurde klar, dass die Abgänge zu Saisonbeginn von Kirchstein, Weigelt und Köhler aus der Aufstiegsmannschaft kaum kompensiert werden konnten. Nachdem beim Heimspiel gegen Rot-Weiß Oberhausen erneut eine 2:0-Führung und somit zwei sehr wichtige Punkte gegen den Abstieg durch zwei Gegentoren in den letzten 10 Minuten verschenkt wurden, musste Trainer Jürgen Gelsdorf seinen Hut nehmen. Sein Nachfolger Uwe Neuhaus, der von den Dortmunder Amateuren verpflichtet wurde, übernahm die Mannschaft vor dem 30. Spieltag mit nun 32 Punkten. Auch der neue Trainer vermochte nicht die verunsicherte Mannschaft noch auf Kurs zu bringen und so wurde aus den letzten fünf Spielen lediglich noch ein einziger Punkt geholt. Nach nur einer Saison musste mit nur 33 Punkten der bittere Gang in die Drittklassigkeit angetreten werden. Die Regionalliga Nord hatte uns wieder...
2004 - Aufstieg in die 2. Bundesliga
Aller guten Dinge sind drei - so spricht der Volksmund, und er sollte Recht behalten. Zweimal scheiterten die Rot-Weissen auf der Zielgeraden zum Aufstieg in die Zweite Bundesliga, doch dieses Mal war alles anders. Wie keine andere Mannschaft zuvor in der vierjährigen Geschichte der Regionalliga Nord dominierten die Spieler von der Hafenstraße diese Liga. Bereits nach dem 32. Spieltag durfte der Aufstieg gefeiert werden. Wer dies im Winter vorher gesagt hätte, dem wäre mit Sicherheit nicht geglaubt worden. Aber es passte alles in eine turbulente Saison, wie man sie in Essen lange nicht mehr erlebt hat.
Am 3. August 2003 startete Rot-Weiss Essen mit dem Auswärtsspiel bei den Amateuren des 1.FC Köln in die neue Saison. Die guten Vorbereitungsspiele im Trainingslager an der Nordsee und daheim in Essen ließen viel hoffen. Der Saisonstart ging dennoch in die Hose, denn gleich zweimal musste die Mannschaft von Trainer Harry Pleß in Köln einem Rückstand hinterherlaufen. Erschreckend harmlos zeigte sich das Essener Team vor dem Tor der jungen Geißböcke - der Jahrhundertsommer wird sicherlich auch seinen Teil dazu beigetragen haben. Erst fünf Minuten vor dem Ende konnte Sascha Wolf gerade noch die Niederlage zum Auftakt verhindern. Auch die Heimpremiere verlief nicht nach dem Geschmack der Essener. Zwar gelang gegen Bremens Amateure zunächst die Führung, doch reichte es erneut nicht zum Sieg. In der 85. Spielminute fiel der verdiente Ausgleich, und erneut stand der ambitionierte Aufstiegsfavorit mit nur einem Punkt da.
Wegen des Todes eines Idols für Millionen deutscher Fußball-Fans hing dann am 13. August am Georg-Melches-Stadion die Fahne auf Halbmast. Helmut Rahn, Mitglied der Essener Meistermannschaft von 1955 und zweifacher Torschütze beim Weltmeisterschafts-Finale 1954 in Bern, war verstorben. Ganz Essen, wenn nicht sogar ganz Deutschland, trauerte um einen der größten Fußballer, den dieses Land je hervorgebracht hat. Innerhalb von nur wenigen Stunden platzte das im Internet eingerichtete Kondolenzbuch aus allen Nähten. Zwei Wochen später zum Heimspiel gegen Uerdingen gedachten die Essener Fans mit riesigen Blockfahnen dem ehemaligen Rot-Weiss-Stürmer. Sportlich folgte zunächst aber die Begegnung bei Aufsteiger und Schlusslicht VfR Neumünster, und endlich gelang mit 0:3 ein eher unspektakulärer Sieg. "Nun wird sich zeigen, was der Sieg in Neumünster wert war“, erklärte Harry Pleß vor dem Spiel gegen den KFC Uerdingen. Es sollte sein letztes Spiel als Trainer von Rot-Weiss Essen sein. Nach einem schwachen Spiel kassierte man eine verdiente 0:2-Pleite. Die Konsequenz: Harry Pleß und Rot-Weiss Essen gingen von nun an getrennte Wege. Das Training leiteten vorübergehend Co-Trainer Michael Lusch und der sportliche Leiter Frank Kontny. Und ausgerechnet zum bis dahin starken Zweitliga-Absteiger Eintracht Braunschweig ging es für die Mannschaft als nächstes.
Nach dem Trainerwechsel schien aber ein Ruck durch das Team gegangen zu sein. Zwar wurde das Spiel mit 0:1 verloren, die Essener Gäste waren allerdings über die 90 Minuten die spielbestimmende Mannschaft. Unruhig wurde es im Umfeld an der Hafenstraße. Nach fünf Spielen hatte das Team nur fünf Zähler auf dem Konto. Für Rolf Hempelmann war dies dennoch kein Grund, das Saisonziel zu korrigieren. "Wir müssen sehen, dass wir das Ruder möglichst schnell herumreißen“, so der Präsident. Richten sollte es nun Holger Fach, der bis dahin den Spitzenreiter der Oberliga Nordrhein, die Amateure seines Heimatvereines Borussia Mönchengladbach, trainiert hatte. Was folgte, waren drei Siege in Folge gegen Wattenscheid, beim FC St. Pauli und gegen den späteren Mitaufsteiger Dynamo Dresden. Rot-Weiss hatte sich mit diesen neun Punkten im Rücken bis auf den fünften Rang herangekämpft und stand nur noch drei Punkte hinter dem Tabellenzweiten, dem Wuppertaler SV.
Doch ausgerechnet vor dem schweren Auswärtsspiel beim starken Aufsteiger aus Wuppertal herrschte an der Essener Hafenstraße wieder Unruhe. In der Bundesliga musste Ewald Lienen seinen Trainerstuhl bei Borussia Mönchengladbach räumen. Holger Fach hatte bei Rot-Weiss aber nur unter der Bedingung unterschrieben, dass er, wenn Mönchengladbach ihn als Trainer für die Bundesligamannschaft haben wollte, sofort gehen könne. Dieser Fall trat ein, und Essen stand von einer Sekunde auf die andere ohne Trainer da. Die sportliche Führung suchte fieberhaft nach einem Ersatz und wurde schnell fündig. Neuer Trainer wurde Jürgen Gelsdorf, der den Rot-Weissen in der Vorsaison mit Osnabrück noch den Aufstieg vor der Nase weggeschnappt hatte. Sein Auftaktspiel in Wuppertal ging jedoch verloren.
Essen entwickelte sich allerdings im weiteren Verlauf zu einer wahren Heimmannschaft. An der Hafenstraße wurde in der Hinrunde nicht ein Spiel mehr verloren. Auf fremden Plätzen hingegen schwächelte das Team noch. Bei Holstein Kiel wurde mit 3:4 unglücklich verloren, und auch beim Mitaufstiegsfavoriten Paderborn gab es mit 1:2 nichts zu holen. Einzig die Amateure von Borussia Dortmund konnten auswärts noch besiegt werden.
Ein Wiedersehen mit Ex-Trainer Harry Pleß gab es am 21. November. Pleß hatte inzwischen das Traineramt beim Aufsteiger FC Sachsen Leipzig übernommen. Diese Begegnung war ein denkwürdiger Tag. Innerhalb von drei Minuten machte Benjamin Köhler aus einem 0:0 ein 3:0 für die Gastgeber - die Hafenstraße stand Kopf. Dieses Spiel unterstrich die eindrucksvolle Heimstärke der Elf von Trainer Jürgen Gelsdorf. Im letzten Heimspiel folgte allerdings wieder ein kleiner Dämpfer. Trotz drückender Überlegenheit gelang es den Kölner Amateuren, mit einem torlosen Remis einen Punkt mit in die Domstadt zu nehmen. Der Jahresabschluss in Bremen verlief noch unbefriedigender. Mit einem 0:2 gelang es den Amateuren von Werder Bremen ohne großen Aufwand, die Punkte an der Weser zu behalten.
Trotz der Niederlage sollte dieses Spiel dennoch so etwas wie ein Meilenstein in der Saison werden, denn die Bremer sollten an diesem 7. Dezember 2003 die letzte Mannschaft der Saison sein, die Rot-Weiss schlagen konnte. Essen überwinterte nun auf Platz fünf in Lauerstellung. Drei Punkte hinter einem Aufstiegsplatz und sieben Punkte hinter Spitzenreiter Wuppertal.
Der Start ins neue Jahr glückte mit Siegen in Uerdingen, gegen Braunschweig, Neumünster und St. Pauli. Vor allem das Spiel gegen St. Pauli zeigte, dass in dieser Saison auch das Glück auf Seiten der Rot-Weissen stand. Erst in der Nachspielzeit trudelte das Leder nach einem Fehler des Hamburger Torhüters über die Linie. Beim Essener Anhang schwanden alle Zweifel am Aufstieg spätestens nach dem 5:2-Sieg gegen den Spitzenreiter aus Wuppertal. Eine Woche später konnte man mit dem Sieg in Hamburg sogar selbst die Führung übernehmen. Von diesem Spieltag an genoss Rot-Weiss den Platz an der Sonne bis zum Ende der Saison. Nicht einen Punktverlust gab es mehr zu beklagen.
Der Höhepunkt der Saison fand dann am 32. Spieltag im Wattenscheider Lorheidestadion statt. Die Ausgangslage war klar: Wenn Rot-Weiss gegen die Amateure vom Reviernachbarn aus Schalke gewinnt und Wuppertal bei den Amateuren des 1.FC Köln patzt, dann stünde Essen bereits zwei Wochen vor Saisonende als Aufsteiger in die Zweite Liga fest. Der Traum ging mit einem Paukenschlag in Erfüllung. Wuppertal verlor seine Begegnung mit 0:4, und Rot-Weiss schoss die Blau-Weißen mit einem 7:0-Kantersieg ab. Dieser Sieg war gleichzeitig auch der höchste Pflichtspielsieg seit zwölf Jahren. In der Saison 1991/92 traf es zuletzt den SC Brück mit einem 9:1.
Der Jubel kannte keine Grenzen mehr. Nach der Feier im Lorheidestadion ging es wieder zurück zur Hafenstraße zur Spontanaufstiegsfeier. Der Parkplatz vor dem Stadion verwandelte sich in ein riesiges Meer in rot-weiss. Und eine weitere Feier stand dann eine Woche später zum letzten Heimspiel der Saison im Essener Georg-Melches-Stadion an. Zunächst erledigten die Akteure ihren Teil beim 3:1-Sieg gegen die Dortmunder Amateure, danach feierten wieder die Fans. Fast vier Stunden lang standen noch Tausende auf der Tribüne und sagen immer wieder nur "Allez, allez, Rot-Weiss Essen allez!“ Wer das live miterleben konnte, dem wird es noch heute bei der Erinnerung daran Schauer über den Rücken jagen. Vom Ehrgeiz gepackt, auch das Saisonfinale in Leipzig zu gewinnen, entschied die Truppe von der Hafenstraße auch das letzte Saisonspiel mit 2:0 für sich. Mit 74 Punkten stand man nun mit neun Punkten Abstand vor dem direkten Verfolger und gar mit zwölf Punkten vor dem ersten Nichtaufstiegsplatz. Eine große Ehre wurde den Spielern und Verantwortlichen dann nach Saisonende zuteil. Als erste Mannschaft von Rot-Weiss Essen durfte sich das Team in das Stahlbuch der Stadt Essen eintragen.
Nach sieben mageren Jahren im Amateurbereich war es endlich wieder soweit. Ein Verein, ein Mythos, eine Liebe kehrt endlich wieder zurück in die Zweite Bundesliga.
2003 - Zweitliga-Aufstieg erneut knapp verpasst
Die Erwartungshaltung zu Beginn der Saison war groß: Nach dem knapp verpassten Aufstieg in der Vorsaison sollte das große Ziel nun mit allen Mitteln erreicht werden. Doch schon früh wurde deutlich, dass Rot-Weiss nicht einfach ohne weiteres durch die Saison marschieren würde. Nach drei Spielen war Essen zwar noch ohne Niederlage, konnte aber auch erst drei Punkte auf der Habenseite verbuchen. Erst am vierten Spieltag konnte die Mannschaft mit einem 1:0 gegen Preußen Münster den ersten Sieg einfahren.
Wer aber auf eine Initialzündung hoffte, der hatte sich getäuscht, denn schon eine Woche später setzte es in Wattenscheid die erste Niederlage. Auch mehrere Umstellungen innerhalb des Kaders - inklusive der Position des Torhüters - brachten nicht viel. Die Negativ-Serie setzte sich mit einem 1:1 gegen Kölns Amateure und einer Niederlage im Pokalspiel gegen Vizemeister Bayer Leverkusen fort. Gegen Leverkusen zeigte die Mannschaft aber zum ersten Mal in der Saison eine richtig gute Leistung und alle Experten waren sich einig: "Wenn die diese Leistung auf die Regionalliga übertragen können, dann klappt das mit dem Aufstieg schon. Diese Euphorie wurde jäh gebremst, denn nicht mal eine Woche später setzte es gegen den SC Verl eine bittere 4:5-Heimniederlage. Der Tiefpunkt war erreicht. Die Presse machte das Auswärtsspiel bei den Hamburger Amateuren zum Schicksalsspiel für Trainer Pleß. Vorstand, sportliche Leitung, Trainer und Mannschaft setzten sich zu Gesprächen zusammen und berieten über die Situation. Und dies schien Wirkung zu zeigen: Am 13. September 2002 startete Rot-Weiss eine Serie, die die Aufstiegshoffnung wieder aufkeimen ließ. In den nachfolgenden 14 Spielen blieb die Mannschaft ohne Niederlage und holte 34 Punkte. Dass da teilweise spielerische Defizite durch Kampfgeist und eine gehörige Portion Glück kompensiert wurden, störte zu dem Zeitpunkt niemanden.
Am 8. März 2003 folgte der Knackpunkt. Gegen die SG Wattenscheid 09, gegen die man die letzten zehn Jahre nicht verloren hatte, setzte es nun gleich die zweite Niederlage in einer Saison. Besonders bitter war die Art, wie dieses Spiel verloren ging. "Ich muss mir Gedanken machen, wie sich die Mannschaft heute hier präsentiert hat“, sagte Pleß nach diesem Spiel. Viel änderte sich allerdings im Laufe der restlichen Saison nicht mehr. Die nächste Niederlage folgte direkt eine Woche später in Köln. Zwei knappe Siege gegen Verl und Hamburg trösteten zunächst über die schwachen Leistungen hinweg, doch nun folgten drei Unentschieden, wovon zumindest zwei mehr als unnötig waren.
In Kiel ging das Team von der Hafenstraße mit 1:0 in Führung und versuchte, diesen Vorsprung über die Zeit zu retten. Die Rechnung hatten sie ohne den Unparteiischen gemacht, der den Gastgebern einen Strafstoß und damit auch einen Punkt schenkte. Am nächsten Spieltag kam dann das Tabellenschlusslicht aus Dresden ins Essener Georg-Melches-Stadion. Eigentlich eine klare Angelegenheit dachten die Fans, doch auch in diesem Spiel kamen die Essener mit einer äußerst schwachen Leistung nicht über ein 2:2 hinaus. Für viele war der Aufstieg verspielt, wurden doch Erinnerungen an das Heimspiel gegen Fortuna Köln der Vorsaison wach.
Die Vereinsführung rief dazu auf, Ruhe zu bewahren. "Wir haben noch sechs Spiele vor uns. Darunter sind noch die Begegnungen gegen die direkten Konkurrenten. Wir haben immer noch alles selbst in der Hand, gab sich Pleß selbstbewusst. Ein Konkurrent, der FC Erzgebirge Aue, konnte auch postwendend an der Hafenstraße mit 1:0 geschlagen werden. Und auch das Spiel in der Leverkusener BayArena konnte man mit einer überzeugenden Leistung mit 3:1 für sich entscheiden. Alles war für das Gipfeltreffen am 16. Mai gegen Tabellenführer Osnabrück gerüstet. Der Druck war immens. Das Spiel bot Chancen und Risiken zugleich. Mit einem Sieg wäre Essen zurück an die Tabellenspitze geklettert – eine Niederlage hätte für den Verlust des Aufstiegplatzes gesorgt. Diesen spürbaren Druck konnte man der Mannschaft deutlich ansehen.
Vor 23.500 Zuschauern konnte man im ausverkauften Georg-Melches-Stadion zwar die Führung übernehmen, doch der VfL schaffte noch vor dem Pausenpfiff den Ausgleich. Ein Doppelschlag in der zweiten Hälfte brachte die Entscheidung, und Essen rutschte von den Aufstiegsplätzen ab. "Wenn wir aus den letzten drei Spielen neun Punkte holen, dann bin ich fest davon überzeugt, dass wir aufsteigen werden, gab Harry Pleß die Richtung vor. Seine Mannschaft folgte jedoch nicht. In Uerdingen setzte es mit einem 1:2 den wahrscheinlich alles entscheidenden Schlag. Mit dieser Niederlage war der Aufstieg in so weite Ferne gerückt, dass eine Chance schon fast nicht mehr in Prozent auszudrücken war, denn sowohl für Aue als auch für Osnabrück reichten schon ein Sieg in zwei Spielen zum Aufstieg.
Dennoch wollte man in den letzten beiden Partien noch einmal alles geben. "Es wäre doch fahrlässig, wenn Aue oder Osnabrück noch mal straucheln würden und wir unsere Spiele nicht gewonnen hätten, so Präsident Rolf Hempelmann. Während sich Rot-Weiss im Heimspiel gegen Paderborn zu einem 2:1-Sieg abmühte, machte Aue mit einem 4:1-Erfolg gegen den Dresdner SC alles klar. Osnabrück hingegen strauchelte tatsächlich und kam in der Hamburger AOL-Arena nicht über ein 0:0 hinaus. So entschied sich der Aufstieg also erneut - wie schon in der Vorsaison - in einem Fernduell am letzten Spieltag, und erneut hatte Essen die schlechteren Karten. Die Situation war folgende: Rot-Weiss musste in Bremen siegen, und Osnabrück durfte nicht einen Punkt holen. Dieser letzte Spieltag war ein Spiegelbild der gesamten Rückrunde. Osnabrück machte seine Hausaufgaben und schlug Kiel mit 2:0, doch die Mannschaft von Trainer Pleß konnte noch nicht mal die Bremer Amateure schlagen und kam über ein 0:0 nicht hinaus.
"Das ist doch einfach nur brutal! Wir sind jetzt zwei mal in Folge Dritter geworden. In der ersten Liga qualifiziert man sich auf dem dritten Platz für die Champions-League, in der Zweiten Liga reicht der dritte Platz für den Aufstieg, und in der Regionalliga hält man als Dritter nichts in den Händen", brachte Harry Pleß den Saisonabschluss auf den Punkt.
2002 - Herzschlagfinale in Münster
Nach der vorangegangenen katastrophalen Saison wurden die Töne an der Essener Hafenstraße leiser. "Wir wollen dieses Jahr einen einstelligen Tabellenplatz. Wenn man bedenkt, dass dieser Verein letztes Jahr fast abgestiegen wäre, dann ist das ein realistisches Ziel", bremste Trainer Harry Pleß bereits vor der Saison die Euphorie, die sich unter anderem durch namhafte Neuverpflichtungen wie zum Beispiel Andreas Fischer vom Hamburger SV oder den Ex-DDR-Nationalspieler Heiko Bonan unter den Fans breit machte.
Einen Vorteil hatte die neue Mannschaft allerdings: Nach der knappen Rettung im Vorjahr hatte sie niemand so richtig auf der Rechnung, und so gelang der Truppe von Harry Pleß ein traumhafter Start. In den ersten elf Spielen konnte das Team nur ein einziges mal besiegt werden. Zwar folgte dann mit einer 0:5-Schlappe in Chemnitz die höchste Saisonniederlage, doch erholte sich das Team von diesem Schlag sehr schnell wieder und stand am Ende der Hinrunde mit 32 Punkten auf dem zweiten Tabellenplatz. Zwar beteuerte der Coach über die Winterpause hinweg, man wolle trotzdem nur einen einstelligen Tabellenplatz, doch er ließ auch durchblicken, dass dies ja auch nicht unbedingt die Plätze drei bis neun sein müssten. Die Frage war nun, wie Rot-Weiss in die Rückrunde starten würde, und wie die Mannschaft mit ihrer neuen Rolle zurechtkommen würde.
Der Start gelang, und so überstand man die ersten acht Rückrunden-Partien ohne Niederlage. Durch wetterbedingte Spielausfälle verschob sich der Start aus der Winterpause mehrfach, und so hatte Rot-Weiss Essen allein im März sieben Spiele zu absolvieren. Nach fünf Spielen, die überwiegend im Rhythmus von drei Tagen stattfanden, merkte man der Mannschaft die Müdigkeit deutlich an, und plötzlich befand man sich in einer ungewohnten Situation: Nach zwei Niederlagen in Folge - gegen Osnabrück und Lübeck - sowie zwei weiteren Unentschieden stand man vier Spiele ohne Sieg da. Eine Situation, die man in dieser Saison noch nicht erlebt hatte. Da die Konkurrenz allerdings auch immer wieder Federn ließ, mischte Essen weiter an der Spitze mit.
Am 30. Spieltag war der Jubel unter den Essener Anhängern groß: Durch den 2:0-Sieg beim Dresdner SC und der gleichzeitigen 2:4-Niederlage von Eintracht Braunschweig in Münster stand Rot-Weiss plötzlich mit zwei Punkten Vorsprung auf Braunschweig auf einem Aufstiegsplatz. Für die meisten Fans war klar: Mit Spielen gegen den Tabellenletzten aus Köln, den abstiegsbedrohten SC Paderborn sowie gegen Bremens Amateure und den alten Rivalen Preußen Münster konnte der Aufstieg gar nicht mehr verfehlt werden, doch leider sollte das Spiel gegen Schlusslicht Köln zum tragischen Schlüsselspiel für Essen werden.
Die Fortuna, die mit einem Punkt in Essen zufrieden gewesen wäre, spielte auf Zeit und unterband jeglichen Spielfluss im Essener Spiel. In der 90. Spielminute gab es dann die vermeintliche Erlösung für die Essener Fans, als Dennis Brinkmann die 1:0-Führung erzielte. Doch anstatt abzupfeifen, ließ der Schiedsrichter das Spiel weiterlaufen, und so kam das, was kommen musste: Fortuna Köln erhielt in der 96. Spielminute einen Freistoß zugesprochen, den Michael Oelkuch flach in den Strafraum spielte. Eigentlich hätte der Ball kein Problem für Torhüter Christoph Müller darstellen sollen, allerdings rutschte ihm das Leder durch die Arme, und so stand es plötzlich sechs Minuten nach dem regulären Ende 1:1.
Nach dem Spiel wandelte sich das lähmende Entsetzen in eine Trotzreaktion: "Wir haben immer noch gute Chancen, aber dafür müssen wir alles gewinnen." Diese Taktik ging leider nicht auf. Eine völlig verunsicherte Mannschaft verlor eine Woche später in Paderborn mit 1:3. Nun waren die Chancen auf den Aufstieg nur noch minimal. Eintracht Braunschweig hatte zwei Spiele vor Saisonende vier Punkte Vorsprung, was bedeutete, dass Essen nur noch aufsteigen konnte, wenn man seine eigenen Spiele gegen Bremen und Münster gewinnen würde und Braunschweig gleichzeitig aus den Partien in Aue und gegen Wattenscheid maximal einen Punkt holen würde.
Der 33. Spieltag ließ dann unter Verantwortlichen und Anhängern Hoffnung aufkeimen. Das eigene Spiel gegen Bremen wurde locker mit 4:2 gewonnen, und so blickte man gespannt nach Aue. Als der 2:1-Sieg der Erzgebirgler über die Eintracht vermeldet wurde, ging ein Aufschrei der Freude durch das Stadion. Der Weg war frei für ein packendes Saisonfinale.
Da Konkurrent Lübeck bereits aufgestiegen war, traten Braunschweig und Essen zum Fernduell an. Beide Mannschaften hatten an diesem Tag ein Heimspiel, denn obwohl Essen in Münster spielte, hatten sie die Unterstützung von rund 10.000 mitgereisten Fans im Rücken. Die Partie begann denkbar schlecht: Bereits nach sechs Minuten führte der Gastgeber mit 1:0. Essen wurde dann zwar stärker, doch es sprang nichts Zählbares dabei heraus. Die Eintracht hingegen ging zwar mit 0:1 in Rückstand, konnte aber noch vor der Halbzeit den Ausgleich erzielen. Nach der Pause spielte Essen noch engagierter, und nach einem Doppelschlag durch Weber und Sven Fischer gelang den Rot-Weissen sogar die Führung. Dann wurde das Spiel noch dramatisch. Erst verschoss Achim Weber einen Foulelfmeter, und wenige Minuten später war es dann Kais Manai, der an Christoph Müller aus elf Metern scheiterte. Essen hatte das Spiel aber im Griff, und der Sieg war nicht mehr in Gefahr. In der 90. Spielminute konnte Essen durch Karp sogar noch auf 3:1 erhöhen, doch was war in Braunschweig los?
Da das Spiel in Münster mit vierminütiger Verspätung angefangen hatte, wusste man, dass das Spiel in Braunschweig doch eigentlich vorüber sein musste. Als dann die Bestätigung kam, dass in Niedersachsen Schluss sei, breitete sich Entsetzen unter den Fans und unter den Spielern aus, denn die Eintracht hatte in der 94. Spielminute noch die Führung erzielt und war somit in die Zweite Bundesliga aufgestiegen. Trainer Pleß zeigte sich nach dem Spiel mehr als nur enttäuscht: "Es ist unglaublich. Uns haben vielleicht zehn Sekunden zum Ziel gefehlt. Das ist grausam." Trotz aller Enttäuschung über den verpassten Aufstieg in letzter Sekunde überwog am Ende aber die Freude über eine tolle Saison. Ein bitterer Nachgeschmack blieb allerdings, denn sportlich wäre Essen aufgestiegen und hätte mit einem Punkt vor der Eintracht, die zwei Punkte aus dem Spiel gegen Bremens Amateure am grünen Tisch zugesprochen bekam, gestanden.
2001 - Dramatische Rettung vor dem Zwangsabstieg
Sportlich war der Klassenerhalt geschafft, doch auf einmal sah es so aus, als stehe Rot-Weiss Essen erneut am Abgrund. Am späten Donnerstag Abend des 8. Juni 2001, also vier Tage vor Ablauf der Frist zum Einreichen der Lizenzunterlagen beim DFB, bekam Rot-Weiss Essen ein Fax vom Partner Sportwelt, in dem die Tochter der Kinowelt AG mitteilte, die vom Deutschen Fußballbund geforderte Bürgschaft in Höhe von 6,153 Millionen Mark werde nicht hinterlegt.
Am darauffolgenden Montag, den 11. Juni, folgten telefonische Gespräche mit potentiellen Geldgebern, doch dem Präsidium war klar, dass eine Entscheidung frühestens erst am Dienstag fallen würde. Viele Fans wollte so lange aber nicht warten, also versammelte man sich bereits am Montagabend mit rund 150 Leuten vor der Geschäftsstelle, um vom Präsidium eine Erklärung zu fordern, die Rolf Hempelmann den wartenden Fans auch gab, indem er um Verständnis und mehr Zeit bat und den Fans das Angebot unterbreitete, am nächsten Tag wiederzukommen. Nach diesen Worten löste sich die Versammlung auf, und einige Fans fuhren in einem Autokorso nach Düsseldorf zum Büro der Sportwelt AG.
Am kommenden Tag kamen dann die ersten Rückmeldungen der potentiellen Geldgeber, und die enorme Finanzlücke wurde durch das leidenschaftliche und nicht nachlassende Engagement vor allem von Rolf Hempelmann und Geschäftsführer Nico Schäfer von Stunde zu Stunde Schritt für Schritt verkleinert. Insgesamt 1,55 Millionen Mark hatten bereits Mitglieder der Gremien von Rot-Weiss Essen gestellt. An den Gesprächen war unter anderem auch Nordrhein-Westfalens Ministerpräsident Wolfgang Clement beteiligt, und auch Essens Oberbürgermeister Dr. Wolfgang Reiniger spielte eine große Rolle, als er sich vor allem noch mal in den letzten Minuten in die Gespräche mit einschaltete.
Gegen 17:30 Uhr kamen bereits die ersten Rot-Weiss-Fans zum Stadion, um vor der Osttribüne das RWE-Emblem und eine große "1907" aus Grablichtern aufzubauen, die den drohenden Untergang des Traditionsvereines symbolisieren sollten. Die Minuten verstrichen, und gegen 19:00 Uhr hatten nun rund 300 Fans den Weg zur Hafenstrasse gefunden und sich erneut vor dem Eingang der Geschäftstelle versammelt, um auf die Ansprache des Präsidenten zu warten. Nachdem es immer später wurde, wurden auch die Fans vor dem Stadion immer nervöser und unruhiger. Um 20:45 Uhr war es dann soweit: Präsident Rolf Hempelmann erschien und sprach, sichtlich erschöpft und auf dem Zaun sitzend, die erlösenden Worte zu Fans: "Wir haben das Geld für die Bürgschaften zusammen!" Noch während er dies sagte, lösten sich Anspannung und Angst in einem überwältigenden Aufschrei der Erleichterung und Freude, eine dramatisch Szene der Begeisterung, die hier kaum in Worten wiedergegeben werden kann.
Nach dieser Mitteilung glich die Hafenstrasse einem Tollhaus. Wildfremde Leute lagen sich jubelnd, zum Teil mit Freudentränen in den Augen, in den Armen und feierten die finanzielle Rettung. Spontan formierte sich ein Autokorso, der einmal quer durch die Innenstadt ging und wieder am Stadion endete. Selbst Lothar, der allen Fans bekannt sein sollte, hielt noch eine kleine Rede vom Dach eines PKW und gab dann, unter dem ohrenbetäubenden Jubel der rot-weissen Anhänger, sein berühmtes "Wer ist der Schreck vom Niederrhein?" zum Besten. In einer Pressekonferenz am 13. Juni erklärte Rolf Hempelmann, dass das Fax mit allen benötigten Lizenzunterlagen genau um 21:01 Uhr, nach nervenaufreibenden Stunden und rund drei Stunden vor Ablauf der Frist, an den DFB nach Frankfurt ging.
2001 - Klassenerhalt in der Regionalliga Nord
Ziel dieser Saison sollte eine Festigung im oberen Tabellenbereich sein, um ein Jahr später vielleicht den Aufstieg in die 2. Bundesliga in Angriff zu nehmen. Zu Beginn sah es auch gar nicht mal so schlecht aus. Zwar ging der Saisonauftakt bei Zweitliga-Absteiger TeBe Berlin mit 0:2 gehörig in die Hose, doch vor allem in Heimspielen glänzte Rot-Weiss Essen und besiegte Mannschaften wie Sachsen Leipzig oder Preussen Münster spielend mit 3:1 bzw. 3:0. Diese Heimserie wurde im fünften Heimspiel durch eine 0:2-Niederlage gegen den SV Wilhelmshaven beendet.
Nach dieser Niederlage ging es für Rot-Weiss Essen steil bergab. Vor allem die schlechte Bilanz bei Auswärtsspielen machte dem Verein zu schaffen. Vier Niederlagen in Folge, unter anderem gegen die abstiegsbedrohten Düsseldorfer, brachten den Stuhl von Trainer Klaus Berge mächtig ins Wanken. Ein mehr als mäßiges Spiel beim 1:1 zu Hause gegen die Dortmunder Amateure sollte dann auch sein letztes Spiel als Trainer werden.
Interimslösung bis zum Saisonende wurde Frank Kurth, der bis dato die Landesliga-Reserve betreut hatte. Doch auch der Trainerwechsel brachte keinen Schwung in die Truppe, so dass das erste Spiel des Ex-Torhüters in Wilhelmshaven mit 0:4 verloren ging. Ein ums andere mal verspielte die Mannschaft immer wieder ihre Chancen, den Klassenerhalt, der plötzlich ernsthaft gefährdet war, vorzeitig zu sichern. Nachdem man auch im letzten Heimspiel gegen Wattenscheid 09 die Chance mit einem 1:1-Unentschieden vergeben hatte, kam es am letzten Spieltag zum Fernduell zwischen Rot-Weiss Essen, Fortuna Düsseldorf und den Bremer Amateuren, die plötzlich wieder mit im Rennen um den Klassenerhalt waren. Essen musste in Braunschweig gewinnen, dann wäre es egal gewesen, was die anderen Vereine auf den jeweiligen Plätzen ablieferten.
Es sah auch erst sehr gut aus. Schnell führte Essen mit 0:2, doch Braunschweig wurde immer stärker und kam noch vor der Pause zum 1:2-Anschlusstreffer. Nach der Pause drängte Braunschweig immer weiter auf den Ausgleich, der auch zum Leidwesen der zahlreich mitgereisten Fans gelang. Da Bremen in Köln führte, reichte dieses Unentschieden nicht. Rot-Weiss Essen war der Oberliga seit dem Aufstieg 1999 nicht mehr so nahe. Plötzlich keimte aber wieder Hoffnung auf, als Fortuna Köln mit einem Doppelschlag kurz vor Schluss den Ausgleich erzielten. Damit war Essen wieder drin. Frank Kurth beorderte seine Mannschaft, obwohl er das Zwischenergebnis aus Köln kannte, weiter nach vorne - und er sollte belohnt werden.
Eine verunglückte Flanke von Ali Bilgin prallte in der 89. Spielminute an die Latte und von da aus direkt auf den Kopf von Sascha Wolf, der den 3:2-Endstand erzielte. Dieses Tor war für Essen goldwert, denn Bremen schaffte in Köln noch während der Nachspielzeit die 3:2-Führung. Ein Unentschieden in Braunschweig hätte also nicht gereicht. Essen war sportlich gerettet, aber das eigentliche Zittern begann erst später...
2000 - Qualifikation zur Regionalliga Nord
Zu Beginn der Saison erklärte Trainer Klaus Berge seinen Rücktritt aus beruflichen Gründen. Sein Nachfolger wurde Fritz Fuchs. Er hatte mit seinem Team eine schwierige Aufgabe vor sich, denn durch die Neugliederung der Regionalligen sollte die Anzahl im folgenden Jahr auf zwei reduziert werden. Für diese neue Regionalliga Nord sollten sich aus der bestehenden Regionalliga West/Südwest nur die ersten elf Mannschaften qualifizieren, folglich gab es also neun Absteiger in diesem Jahr.
Obwohl die Mannschaft an der Hafenstraße ordentlichen Fußball bot, zeigte sie in der Fremde doch oft Schwächen und verlor gerade auswärts unnötig Punkte. Höhepunkt war wohl das Spiel beim LR Ahlen, als Rot-Weiss Essen schon nach neun Spielminuten mit 0:3 hinten lag, zum Schluss aber ein 3:3 erreichte. Nach nur einem Punkt aus fünf Spielen und einer 2:3-Niederlage zu Hause gegen Eintracht Trier musste Trainer Fritz Fuchs am 27. Oktober 1999 seinen Hut nehmen. Rot-Weiss Essen war mittlerweile auf den zwölften Platz gerutscht und musste jetzt sogar um die Qualifikation bangen.
Bei der anschließenden 1:2-Niederlage in Paderborn saß dann Co-Trainer Michael Dämgen auf der Bank. Am 8. November 1999 kehrte Klaus Berge wieder an seine alte Wirkungsstätte zurück. Danach ging es wieder aufwärts für Rot-Weiss Essen, und am vorletzten Spieltag war die Qualifikation für die zweigleisige Regionalliga trotz einer Niederlage bei den Amateuren des VfL Bochum unter Dach und Fach.

